Bei facebook teilen Bei twitter teilen Bei google plus teilen
Seite drucken Seite senden Bei facebook teilen Bei twitter teilen Bei Xing teilen Bei LinkedIn teilen Bookmark setzen


Job- & Karriereaussichten

Willkommen in der "Neuen Normalität" - alles ist wieder erlaubt!?

Wie ein jedes Jahr im Sommer versuche ich in diesem Newsletter meine zu Jahresanfang getroffenen Einschätzungen zur Entwicklung des akademischen Jobmarktes und der sich daraus ableitenden Karrieretaktiken zu überprüfen und gegebenenfalls zu justieren. Die aktuelle Analyse enthält eine Überraschung, und die im Januar aufgestellten "Fünf Thesen zu den Jobaussichten 2010" stellen sich als sehr robust heraus. Somit kann diese deutlich kürzer ausfallen als sonst gewohnt, und was Anpassungen Ihrer Karrieretaktik an sich stark verändernde Rahmenbedingungen angeht, sehe ich generell eher keinen zwingenden Handlungsbedarf.

Die Überraschung: Das deutsche "Jobwunder"!

Es war eines der Sommerthemen, die die Wirtschaftsmagazine seit diesem Mai immer wieder aufgegriffen haben. Und hier liegt auch die Überraschung für mich. In den letztjährigen Sommermonaten war die Stimmung eher deutlich gedrückt und meine eigene Vermutung - "[...] vielmehr werden die Beschäftigungszahlen bis 2010 massiv zurückgehen[...]" - aus dem Update 2009 erwies sich glücklicherweise als zu düster.

Flexibilität ist Trumpf

Wo stehen wir aktuell? Die Personaldienstleister haben durch massive Budgetkürzungen der Unternehmen zu spüren bekommen, dass viele Arbeitgeber ihre Bemühungen im Werben um Fachkräfte und Akademiker deutlich zurückgefahren haben. Der für Hochschul-Absolventen relevante Beschäftigungsindikator der Jobbörse Monster befindet sich nach seiner Bodenbildung um 94 bis 97 Indexpunkten zwischen Juli 2009 und Februar 2010 nun seit gut fünf Monaten im Aufwärtstrend. Mit nun 110 Punkten im Juni liegt der Teilindex "Akademiker" allerdings noch sehr deutlich unter dem Höhepunkt im März 2008, als 140 Punkte erreicht wurden.

Warum konnte sich der Arbeitsmarkt so relativ stabil halten? Fasst man die entsprechenden Beiträge zusammen, lassen sich immer wieder folgende Argumente finden:

  • Der deutsche Arbeitsmarkt ist strukturell flexibler geworden. Im Wesentlichen konnten Entlassungswellen durch die Ausdehnung der Kurzarbeitsregelungen vermieden werden, und Unternehmen entlasten den Arbeitsmarkt, indem sie stärker als erwartet auf das Engagement von Zeitarbeitskräften zurückgreifen.
  • Ebenso scheint die Bevölkerung in Deutschland zunehmend flexibler in Bezug auf den eigenen Arbeitseinsatz zu werden. Nicht nur die soeben angesprochenen Zeitarbeitskräfte werden mittlerweile als fester Bestandteil des Angebotsmix betrachtet. Auch immer mehr Akademiker nutzen projektbezogene und damit zeitlich befristete Aufträge oder eigene "Geschäftsmodelle" zum Gelderwerb.
  • Die medial perfekt unterstützte Angst vor der demografischen Falle zeigt erste Wirkung. Ob nun die deutschen Unternehmen schon wirklich gut aufgestellt sind, um die demografischen Herausforderungen erfolgreich anzupacken, sei mal dahingestellt. Aber dass das gesellschaftliche Mantra vom Fachkräftemangel beim letzten Abschwung die Bereitschaft zu Entlassungen deutlich abgeschwächt hat, dafür gibt es viele Hinweise an verschiedenen Stellen.
  • Und schließlich hat die intakte Wachstumsstory des asiatischen Wirtschaftsraumes (Ex-Japan) und die damit verbundene Nachfrage nach Infrastruktur und Industrieausrüstung der auf den Export fokussierten deutschen Industrie zu einem überraschend schnellen und kräftigen Aufschwung verholfen.

Und jetzt? Wieder alles normal? Übertrifft der neue Aufschwung das bisherige Höchstniveau deutlich und dauerhaft - so wie in den Konjunkturzyklen der letzten vierzig Jahre?

Karriereaussichten: Pragmatismus und Anpassungsfähigkeit sind gefragt

Willkommen in der "Neuen Normalität"

Es gibt einige "gefühlte" Indikationen ebenso wie akademische Analysen oder erfreulich nüchtern-klare Blicke mit der Schlussfolgerung, dass wir uns seit dem letzten Jahrzehnt in einem globalen Umwälzungsprozess befinden: Die westlichen Industrienationen haben seit den 80er Jahren durch Kreditschöpfung mehr Geld "ausgegeben" als ihre Wirtschaftskraft (gemessen am Bruttoinlandsprodukt) gewachsen ist. In den USA haben sich die privaten Verbraucher überschuldet, in Europa und Japan ist die Staatsverschuldung überproportional gewachsen. Als eine Art Gegengewicht hat es der asiatische Wirtschaftsraum geschafft, in weiten Teilen eine verschuldungsfreie Wirtschaftsdynamik zu entwickeln, die mittlerweile die Weltwirtschaft deutlich beeinflusst.

Bezogen auf diese globale Entwicklung und die spezielle Situation der USA hat die kalifornische Investmentfirma PIMCO im Jahr 2009 den eingängigen Begriff des "New Normal" geschaffen. Verkürzt ausgedrückt, wird sich das Wohlstandsniveau zunächst auf einem neuen niedrigeren Niveau normalisieren bis die Verschuldung zurückgefahren wurde. Mittlerweile ist der von Paul McCulley kreierte Begriff zu einem "buzz word" in der Finanzwelt avanciert. Wer Interesse an der Investment-Welt hat, findet bei PIMCO einige interessante Einblicke, bspw. "On the "Course" to a New Normal".

Aber was bedeutet dies nun für die "Neue Normalität" im Berufsleben der nächsten Jahre - und vielleicht Jahrzehnte?

Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und Pragmatismus werden zur Normalität!

Für immer mehr Erwerbstätige wird es immer weniger typische Arbeitnehmerverhältnisse geben. Projektarbeiten, Auslandseinsätze, Auszeiten, Beratungstätigkeiten, Selbstständigkeit und ehrenamtliches Engagement werden in den nächsten Jahrzehnten immer häufiger in den Biografien eines Erwerbslebens auftauchen. Aus einer aufwärtsgerichteten Karrieregerade wird ein flexibel und pragmatisch angepasster Lebensweg, der nicht minder lebenswert sein muss.

Um mich inhaltlich nicht zu wiederholen, hier der erneute Verweis auf den Jahresausblick des im Januar erschienenen Newsletters "Die Kunst einen Drachen zu reiten". Noch immer aktuelle taktische Anregungen finden Sie im Abschnitt "Warum wir alle optimistisch sein können".

In diesem Sinne gilt: "Alles ist wieder erlaubt": Klammern Sie sich nicht an Ihren aktuellen Job, warten Sie nicht auf einen breit angelegten Boom für Ihren Jobwechsel, fangen Sie an, sich aktiv um Alternativen zu Ihrer derzeitigen Position zu kümmern, schieben Sie als Absolvent keine künstlichen studienverlängernden Maßnahmen ein. Die "Neue Normalität" ist schon da.

Abschließend noch ein nettes Bonmot, welches zeigt, dass nicht alle uns liebgewonnenen Gewohnheiten wegnormalisiert werden dürften. So vermeldete die F.A.Z. am 23. Juli, dass die Strategieberater des Münchener Unternehmens Roland Berger Strategy Consultants für ein "sicheres Zeichen für das Ende der Krise" gesorgt haben: Es darf wieder Business Class geflogen werden! ;-)

Ihnen einen erholsamen und erfreulichen Sommer 2010

Mit den besten Wünschen aus Köln

Ihr Jens Ohle


Jens Ohle verantwortet seit Februar 2010 das operative Outsourcing- & Consulting-Geschäft für Kelly Services in der Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika.

Feedback: redaktion@access.de


Artikel "Willkommen in der "Neuen Normalität" - alles ist wieder erlaubt!?" downloaden.






» weitere Karriere-News

Die Kommentarfunktion "Disqus" wird vom Unternehmen Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie hier. Die Nutzungsbedingungen von "Disqus" können hier eingesehen werden. Die Kommentare werden von access moderiert. Wir behalten uns das Recht vor, ungeeignete Kommentare wie Beschimpfungen oder Beleidigungen ohne Rückfrage zu löschen. Kommentare als "Gast" oder mit einem Link werden vor der Veröffentlichung kurz überprüft. Lesen Sie hierzu auch unsere Netiquette.
blog comments powered by Disqus