Vorsorge fürs Alter und die Euro-KriseSchwieriger Weg zur (nie) sicheren Altersvorsorge
"Wie lege ich mein erstes verdientes Geld sicher an?" Diese Frage stellen sich derzeit viele Young Professionals. Und Hochschulabsolventen treibt die Frage um, "was ist der Euro morgen und übermorgen noch wert?" Die Anleihen der Griechen sind in den Augen zahlreicher Investoren bereits heute nichts mehr wert, deutsche Bundesanleihen lohnen kaum noch, die Aktienkurse sind auf Berg- und Talfahrt und Immobilienfonds verweigern die Rücknahme der Anteilsscheine.
Wenn alte Menschen dann noch erzählen, dass sie bereits zweimal den totalen Verlust ihres Geldes erlebt haben - 1923 durch Hyperinflation und 1948 durch die Währungsreform, ahnen jüngere Menschen, dass Geld letztlich eine Illusion ist und dass die Suche nach sicheren Anlageformen zum Scheitern verurteilt ist. Für die Altersvorsorge hat das gravierende Konsequenzen.
Das demographische Problem des Umlageverfahrens
Eben weil es langfristig keine sichere Geldanlage gibt, führte Kanzler Adenauer 1957 die Umlagefinanzierung bei der gesetzlichen Rentenversicherung ein. Die Jungen zahlen die Renten für die Alten. Das Problem: Laut IW Köln wurden 1960 noch 2,37 Kinder pro Frau geboren; 2009 nur noch 1,35. Das hat zur Folge, dass immer weniger Arbeitnehmer für immer mehr Rentner sorgen müssen. Für die eigene Altersvorsorge bliebe kein Geld übrig. Für die heute 20- bis 35-Jährigen erhöht sich die Gefahr, später in die Altersarmut zu rutschen.

Den meisten ist dies bewusst. Studien belegen, dass junge Menschen für das Alter vorsorgen wollen. Doch zwei Tatsachen lassen sie zögern. Erstens schreckt die Flut an Angeboten ab: gesetzliche Rente, private Rente, Betriebsrente, Riester-Rente, Wohn-Riester-Rente, Fondspolicen, Investmentfonds. Alle Formen haben ihre Vor- und Nachteile. Zweitens kommen die Finanzmärkte seit zwei Jahren nicht zur Ruhe. Erst retteten Politiker übermütige Banken und dann überschuldete Staaten.
Die "Euro-Angst"
Schuld an dem Schlamassel sollen allein die Spekulanten sein, was falsch ist, denn politische Entscheidungen (z. B. Intervention Chinas und Japans am Devisenmarkt, Niedrigzins- und Wohnungspolitik in den USA, Staatsverschuldung vieler Länder) führten zu den erheblichen Verzerrungen an den Finanzmärkten. Jetzt versuchen die Politiker die Schuldenkrise mit noch mehr Schulden zu bekämpfen. Derzeit schauen die Investoren besonders kritisch auf die Euro-Zone, weil hier mehrere Staaten über ihre Verhältnisse gelebt haben. Die Euro-Angst geht um.
Als der Euro 2002 eingeführt wurde, versprachen die Politiker den Menschen, dass der Euro so stabil wird die D-Mark. Doch danach sieht es nicht mehr aus. Nach dem Bruch des Stabilitätspaktes 2005 durch Deutschland und Frankreich, kommt nun ein weiterer Vertragsbruch hinzu: Jetzt ist sogar die Europäischen Zentralbank (EZB) zum Kauf von Staatsanleihen übergegangen. Weil sonst niemand mehr Anleihen von zum Beispiel Griechenland kaufen will beziehungsweise nur gegen extrem hohe Zinsen, die Griechenland nicht mehr zahlen könnte, springt die EZB als Käufer ein. So wird die EZB zum Diener der Staatsverschuldung.
Riskantes Spiel: Notenbanken kaufen eigene Anleihen
Zwar wird physisch kein Bargeld gedruckt, sondern die Geldmenge insgesamt, also inklusive der Sichteinlagen, vergrößert. Im Ergebnis aber, pumpt die EZB immer mehr Geld ins System. Zwar beteuert die EZB, dass sie das zusätzliche Geld an anderer Stelle wieder dem Geldkreislauf entzieht, gleichwohl betreibt sie ein Spiel mit dem Feuer. Überhaupt keine Skrupel haben die Notenbanken in den USA, Großbritannien und Japan: Sie kaufen seit langem Anleihen ihres Staates. Sobald die Schuldenpolitik dieser drei Länder ins Zentrum des Interesses rückt, könnte es wieder aufwärts gehen mit dem Euro - zumindest gegenüber Dollar, Pfund und Yen. Auf lange Sicht aber - die "Altersvorsorgesicht" - dürften die vier Währungen gegenüber den Währungen der aufstrebenden Schwellenländer an Wert verlieren.

Die Notenbanken der Industrieländer betreiben eine "Politik des Gelddruckens". Das Problem dieser Politik wird deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, was Geld "wert" ist. Eigentlich nichts. Man kann es nicht essen. Es besteht nur aus billigem Material; in der Regel sogar nur als "Buchgeld". Geld erhält seinen Wert dadurch, dass man sich dafür Güter kaufen kann. Würde ein Staat beliebig viel Geld drucken, stünde immer mehr Geld einer konstanten oder weniger schnell wachsenden Menge an Gütern gegenüber. Geld wäre nicht mehr knapp. Die Folge: Inflation.
Inflation oder gar Deflation?
Ob und wann die weltweite Liquiditätsschwemme zu Inflation führt ist noch nicht sicher. Zu einem allgemein steigenden Preisniveau kommt es erst, wenn die Konjunktur richtig in Schwung kommt. Für den Euro-Raum erwartet die OECD im Jahr 2010 nur ein Wachstum von 1,2 Prozent; 2011 soll es 1,8 Prozent sein. Aufgrund der Wirtschaftsschwäche halten einige Volkswirte sogar ein allgemein sinkendes Preisniveau, also Deflation, für möglich. Das Problem: Deflation würde die hoch verschuldeten Staaten noch stärker belasten, da sie nach wie vor den gleichen anfangs festgesetzten monetären Wert begleichen müssen.
Daher vermuten Volkswirte, dass die Politik und die Notenbanken künftig Inflation in Kauf nehmen. Denn mit ihr reduziert sich auch die reale Schuldenlast. Die Alternativen wären höhere Steuern und/oder Etat-Kürzungen. Beides ist politisch kaum durchsetzbar. Inzwischen plädiert selbst der Internationale Währungsfonds für ein Inflationsziel von 4 bis 6 Prozent. Einige Ökonomen halten für die Euro-Zone in zwei bis fünf Jahren Inflationsraten von 5 bis 10 Prozent für realistisch.
Für Anleger gilt: Breite Streuung
Anleger, die dieses Szenario sehen und darauf reagieren wollen, haben die Chance auf Sachwerte zu setzen. Sachwerte sind Immobilien, Rohstoffe und Aktien. Aber auch in Kunst, Autos oder Wald lässt sich investieren. Wichtig ist, das Vermögen breit zu streuen. Dann können Verluste hier durch Gewinne dort ausgeglichen werden. Demnach gehören auch Staatsanleihen ins Depot - aber nur mit kurzer Laufzeit und von erstklassigen Schuldnern wie zum Beispiel Deutschland.
Das Drei-Schichten-Modell
Dieser Hintergrund ist wichtig für die Vorsorgeplanung. In Deutschland basiert die Altersversorgung auf dem Drei-Schichten-Modell: Basisversorgung (gesetzliche Rente, Basis-Rente), Zusatzversorgung (betriebliche Altersversorgung, Riester-Rente) und private Vorsorge (Rentenversicherung, Aktien, Bundesschatzbriefe, Investmentfonds). Für Studenten und Young Professionals zunächst wichtig: Eine Altersrente bekommt nur, wer 35 Jahre Arbeits- und Ausbildungszeiten vorweisen kann. Daher sollte man Schul- und Studienzeiten der Deutschen Rentenversicherung mitteilen. Arbeitnehmer müssen bis zur Beitragsbemessungsgrenze in Höhe von 5400 (Ost: 4650) Euro monatlich Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zahlen. Der Beitragssatz ist in der Vergangenheit fast immer gestiegen und liegt aktuell bei 19,9 Prozent. Dennoch sinkt das Niveau der gesetzlichen Rente - wegen der Umlagefinanzierung und des demografischen Wandels. Für einen Ausgleich sollen die Betriebsrente und die private Altersvorsorge sorgen. Beide Systeme werden vom Staat gefördert.
Riester-Rente und Basis-Rente
Bei der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge unterscheidet man zwischen Riester- und Basis-Rente. Für Arbeitnehmer und Familien wurde die Riester-Rente konzipiert; für Selbständige die Basis-Rente. Hinter beiden Modellen verbergen sich Produkte wie Rentenversicherung, Fondssparplan oder Fondspolicen. In jedem Fall müssen die Anbieter den Erhalt des Sparkapitals garantieren. Nachteil: Garantien gehen immer zu Lasten der Rendite. Seit kurzem darf die Riester-Rente auch zum Immobilienerwerb eingesetzt werden, wenn das Objekt der Altersvorsorge dient.
Zur Riester- oder Basis-Rente wird ein Produkt, wenn es Fördervoraussetzungen erfüllt und von der Finanzaufsicht zertifiziert wurde. Das Zertifikat sagt aber nichts über die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Produkts oder das Renditeversprechen aus. Ohnehin monieren Verbraucherschützer, dass es für den Sparer fast unmöglich ist, die Qualität der Produkte zu erkennen und zu bewerten. Wichtig auch: Riester- und Basisrente werden nachgelagert, also bei Auszahlung der Rente, besteuert.
Die staatliche Riester-Förderung
Während der Einzahlungsphase fördert der Staat die Riester-Rente mit Zulagen. Die jährliche Grundzulage beträgt 154 Euro pro Person und die Kinderzulage 185 Euro je Kind. Für ab 2008 geborene Kinder gibt es 300 Euro. Um die vollen Zulagen zu erhalten, muss der Sparer 4 Prozent des Vorjahreseinkommens in den Riester-Vertrag einzahlen. Maximal dürfen 2100 Euro abzüglich Zulagen fließen. Wer weniger als den Mindesteigenbeitrag entrichtet, erhält die Zulagen anteilig gekürzt.
Die Basis-Rente fördert der Staat über Steuervorteile. Selbstständige dürfen in diesem Jahr 70 Prozent von 20.000 Euro als Sonderausgaben geltend machen. Der Prozentsatz erhöht sich jedes Jahr um 2 Prozentpunkte bis 2025 dann der Maximalbetrag von 20.000 Euro voll absetzbar ist. Das Guthaben ist geschützt vor dem Fall der Insolvenz oder vor Hartz IV. Auch die Basis-Rente hat ihre Tücken. Wie bei der Riester-Rente darf der angesparte Betrag nur als Rente geleistet werden. Stirbt der Sparer vor Rentenbeginn, verfällt das eingezahlte Kapital. Zwar bieten einige Verträge Optionen auf Vererbbarkeit und Hinterbliebenenabsicherung, dabei handelt es sich aber um zusätzliche Risikolebensversicherungen. Aufgrund ihrer Konstruktion ist die Basis-Rente eher ein Steuersparmodell für Ältere, die einmalig eine größere Summe einzahlen. Für Young Professionals ist sie nicht geeignet.
Betriebliche Altersvorsorge
Der Staat fördert auch die betriebliche Altersversorgung. Sofern ein Arbeitgeber die Betriebsrente zusätzlich zum Lohn erbringt, ist sie konkurrenzlos gut und der Arbeitnehmer wird sie gerne annehmen. Aber auch wenn der Arbeitnehmer selber ansparen muss (Entgeltumwandlung), ist die betriebliche Altersvorsorge oft vorteilhaft. Arbeitnehmer können bis zu 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze ihres Bruttogehalts in eine Betriebsrente stecken. Dieser Anteil ist steuerfrei und sozialabgabenfrei. Allerdings muss die Leistung nachgelagert besteuert werden. Auch Sozialabgaben müssen im Alter geleistet werden; als Rentner also Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Young Professionals, die noch keine Betriebsrente erhalten, sollten ihren Chef darauf ansprechen, schließlich haben sie einen Rechtsanspruch darauf. Allerdings hat der einzelne Arbeitnehmer kaum Einfluss auf die Art der Betriebsrente. Er muss den Durchführungsweg nehmen, den sein Chef anbietet. Die Möglichkeiten, die Unternehmen bieten, sind Direktzusagen, Pensionsfonds, Pensionskasse, Direktversicherung und Unterstützungskassen.
Private Vorsorge
Die dritte Schicht der Altersversorgung steht allen Bürgern offen. Für Studenten ist sie die einzige Möglichkeit, frühzeitig mit dem Sparen zu beginnen. Dies ist wichtig, weil bereits mit geringen Sparbeiträgen dank der Kraft von Zins und Zinseszins ein beachtliches Vermögen aufgebaut werden kann. Aber auch Young Professionals, denen die Restriktionen von Riester- und Basis-Rente zu weit gehen, finden in dieser Schicht genug Vorsorgemöglichkeiten. Und wer auf die Garantie eines angepriesenen Altersvorsorgeproduktes nicht verzichten möchte, baut sich die Garantie eben selbst. Das bedeutet: die Methode der Fondsmanager kopieren und einen Teil des Geldes in festverzinsliche Papiere stecken, um das Kapital mit Zins und Zinseszins zu sichern. Mit dem Rest können Anleger ihr Depot um Aktien oder Fondsanteile erweitern - das sorgt dann für die Renditefantasie.
Aktien: langfristig die höchsten Renditen
Insbesondere junge Anleger sollten sich auf Aktien konzentrieren. Langfristig sind hier die Renditen am höchsten. Als Faustformel für den Aktien-Portfolioanteil gilt: 100 minus Alter in Aktien. Wegen der Euro-Schwäche sind derzeit europäische, vor allem deutsche Exportaktien attraktiv. In Zeiten drohender Geldentwertung sind auch Aktien mit stabiler Dividende, globaler Ausrichtung und starke Marktposition interessant. Solche Aktien als Privatanleger zu finden, ist aber mühsam. Einfacher ist es, auf einen Fonds zu setzen, der in alle Branchen und Regionen investieren darf. Auch Schwellenländer sind ein Thema. Dort ist nicht nur das Wachstum höher. Diese Länder sind zum Teil auch wirtschaftlich stabiler als Europa oder Amerika. Zudem verspricht ein Investment in Schwellenländer Währungsgewinne.
Aktien sind bei Inflationsraten bis zu 5 Prozent attraktiv. Bei höheren Raten bieten Immobilien Schutz. Gleichzeitig wird in einem solchen Szenario auch die Kreditlast immer leichter. Derzeit sind die Bauzinsen auf einem historisch niedrigen Niveau. Für Young Professionals mit ausreichend Eigenkapital könnte daher der Kauf einer Immobilie sinnvoll sein. Aber: Große Vermögenszuwächse sind angesichts des schwierigen deutschen Mietmarktes nicht zu erwarten.
Und wenn die Auswahl gemäß den Kriterien Lage, Bauqualität und Ausstattung nicht gründlich erfolgt, droht sogar ein Wertverlust. Auf dem deutschen Markt für Wohnimmobilien findet eine Zweiteilung statt. Auf der einen Seite sind die wirtschaftsstarken Regionen mit einem stabilen Bevölkerungswachstum, in denen die Nachfrage nach Eigenheimen konstant hoch ist. Auf der anderen Seite sind die strukturschwachen Regionen, die angesichts fehlender lukrativer Arbeitsplätze unter Bevölkerungsschwund leiden. Die Schere zwischen beiden Seiten öffnet sich angesichts der demografischen Entwicklung in Deutschland immer weiter.
Die "Fluchtwährung" Gold: als Altersvorsorge weniger geeignet
Neben "Betongold" ist echtes Gold eine "Fluchtwährung". Das gelbe Metall ist fast die einzige Anlageklasse, die in den vergangenen Jahrzehnten stetig an Wert gewonnen hat. Zinseinnahmen erzielt man mit Gold aber nicht. Einfacher als der Kauf von Barren ist der Kauf von Münzen. Sie lassen sich leichter aufbewahren und sind für ein paar Hundert Euro zu erwerben. Allerdings ist der Kauf von Gold in kleiner Stückelung relativ teuer. Zur Altersvorsorge eignet sich Gold nicht. Daher sollten Anleger nicht mehr als zehn Prozent ihres Vermögens in Edelmetalle halten.
Welche der Bausteine in welchem Umfang für die Altersvorsorge genutzt werden, ist eine individuelle Angelegenheit. Sinnvoll lässt sich die Auswahl des passenden Produkt-Mixes nur im Rahmen einer ganzheitlichen Analyse treffen. "Ganzheitlich" bedeutet, dass die identifizierten Produkte aufeinander abgestimmt werden. Auch sollten die Produkte zur Risikobereitschaft und zur Lebenssituation des Einzelnen passen. Insgesamt also gibt es eine Menge zu beachten, um optimal für das Alter vorzusorgen. Nicht vergessen sollten Anleger, dass es absolute Sicherheit nicht gibt - egal, was Politiker oder Produktanbieter sagen.
Stefan Terliesner, Wirtschafts- und Finanzjournalist
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