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Wie Sie punkten

Strategien im Vorstellungsgespräch

Das Klima im Bewerbungsgespräch machen Sie! Wenn Sie bewusst oder unbewusst unfaire Aktionen befürchten, ein Stressinterview oder Machtspiele erwarten, vergiften Sie das Klima im Vorstellungsgespräch.

Taktik oder Offenheit - welche Strategie ist im Interview angesagt? Soll ich immer die Wahrheit sagen? Kann ich den Aussagen der Unternehmensvertreter trauen? Gegenfrage: Kann Ihr Gesprächspartner Ihnen trauen?

Am besten lernen sich Bewerber und Recruiter kennen, wenn sie sich kennen lernen wollen. Das heißt, auf beiden Seiten muss Vertrauen aufgebaut und erhalten werden. Da stören Manöver, Taktiken und Täuschungen. Auch wenn in Einzelfällen jemand mit einer Lüge im Lebenslauf auf die gewünschte Position kam und dort erfolgreich arbeitet, dürfte dies kein Patentrezept sein. Mich würde das Wissen um Geheimnisse und Tabuthemen schwächen, ich hätte Angst, dass man mir später auf die Schliche kommt. Von rechtlichen Konsequenzen ganz zu schweigen. Andererseits können Sie nicht erwarten, dass Sie immer die ganze Wahrheit erfahren. (Das ist fast eine philosophische Frage: Machen wir uns nicht die Wahrheit stets selbst?) Es gibt Täuscher auf beiden Seiten. Doch wie soll später eine gute Zusammenarbeit verlaufen?

Wie finde ich die Wahrheit heraus?

Sicherheiten gibt es nicht. Sie können auf Hinweise achten, mit verschiedenen Personen sprechen, Fragen stellen. Natürlich fragen Sie nicht "Wo liegen die Leichen in Ihrem Keller?" Doch kann die Antwort auf Ihre Frage nach besonderen Erfolgen und besonderen Schwierigkeiten Ihrer zukünftigen Kollegen aufschlussreich sein. Mehr kann ich nicht tun? Doch! Ein gutes Instrument ist Ihre Intuition. Achten Sie darauf, ob Sie ein "komisches" Gefühl haben bei dem Gedanken, ab nun jeden Tag dieses Firmengebäude zu betreten. Im nächsten Schritt prüfen Sie jedoch bitte, woher dieses Gefühl kommt: Sind Sie selbst der Auslöser? Welche eigenen Anteile, gemäß der Volksweisheit "Wie man in den Wald ruft, ", mögen Reaktionen ausgelöst haben? Vielleicht berücksichtigen Sie bei diesen Überlegungen auch Ihre Tagesform.
Die Regel sollte eine andere sein: Das, was Sie sagen oder schreiben, muss stimmen. Jedoch zwingt niemand Sie dazu, immer alles zu sagen, was Sie wissen.

Mit welchen Fangfragen ist zu rechnen?

Fangfragen sind oft gar nicht nötig und werden auch kaum eingesetzt. Vielleicht mutet Ihnen eine Frage als solche an? Dann fragen Sie doch zurück, höflich und nüchtern: "Ich verstehe diese Frage nicht." Oder auch: "Warum fragen Sie das?" Falls Sie sich veranlasst sehen, eine Grenze zu ziehen - womöglich ist genau das auch gerade angebracht - dann geht auch eine etwas schärfere Formulierung wie: "Was hat dies mit meiner zukünftigen Arbeit zu tun?" Es mag vorkommen, dass trotz anders lautender Ankündigung ein Ausleseverfahren sehr hart ist. Fakt ist, dass beispielsweise Assessment-Center belastend für Bewerber sind. Eine andere Seite der Medaille ist, dass Sie als Bewerber ebenfalls versuchen, selbst Ihre Schwachstellen positiv darzustellen und sich selbst in ein gutes Licht zu rücken suchen.

Letztlich geht es im Gespräch darum, eine gemeinsame Prognose und Perspektive zu entwickeln. Die Sicht des Bewerbers: Ist das eine gute Chance? Kann ich hier meine Vorstellungen verwirklichen? Die Sicht der Unternehmensvertreter: Wird sich diese Kandidatin, dieser Kandidat bei uns einfügen, wohlfühlen, erfolgreich arbeiten? Die Aufgaben in unserem Sinne lösen, zum Unternehmenserfolg dauerhaft und wirksam beitragen? Prognosen sind schwer zu erstellen und immer unsicher. Dies trifft für alle Ausleseverfahren zu, wenngleich in unterschiedlicher Stärke.

Stressinterview

Für Positionen, die mit hohen Belastungen verbunden sind, kann auch die Stressresistenz oder Ihre Reaktion in schwierigen, angespannten Situationen wichtig sein. Dies ist um so wahrscheinlicher, je höher das (Einstiegs-) Gehalt ist oder je mehr Ihre Arbeit darin bestehen wird, Verhandlungen zu führen, Krisen zu bewältigen, Konfliktsituationen zu lösen. Da kann ein Rollenspiel wie beispielsweise "Schwieriger Kunde" durchaus Aufschluss liefern. Und da darf ein Kandidat nicht sprach- und hilflos, passiv, aber auch nicht aggressiv oder konflikteskalierend agieren. Was tun? Ruhe bewahren. Manchmal hilft es, einfach die Sitzposition zu verändern, Luft zu holen und eine Antwort zu überlegen, die nicht emotional geprägt ist, sondern bereits eine Analyse der Situation beinhaltet.

Bevor Sie hart reagieren, prüfen Sie selbst: Hat da jemand meinen wunden Punkt getroffen? Diese Inhalte können ebenso gut bei der Frage nach persönlichen Schwächen geklärt werden: Wie reagiert unser Kandidat, wenn er persönlich angegriffen wird? Was macht unsere Bewerberin, wenn sie sich unfairen Methoden ausgesetzt fühlt? Das ist nicht so wirklichkeitsfremd, wie Sie im Interview denken: Viele Kunden werden ein wenig unfair, wenn es beispielsweise um Preisverhandlungen geht oder wenn sie sauer sind.

Dr. Hermann Refisch

Dr. Hermann Refisch arbeitet als freier Trainer und Karriere-Berater. Seine Themenschwerpunkte sind Bewerbungstechniken und Outplacement, Rhetorik/Kommunikation sowie Konfliktlösungen.
Feedback: hermann@refisch.de






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